Über den Puli

Geschichte

Springende Pulis - Foto: Jochen Erkens

Der Puli ist der uralte Treibhund der ehemals nomadisierenden Ungarn und gehört zu den ältesten Hunderassen der Welt. Im Zuge der Völkerwanderungen kam er gemeinsam mit anderen heute anerkannten Hunderassen aus den Grassteppen Asiens ins Karpatenbecken, das einen Großteil des heutigen Ungarns ausmacht. Bis heute gilt der Puli als die ungarische Nationalrasse.

Die ursprüngliche Aufgabe des Pulis war es, die Schaf-, Rinder- und Schweineherden in der Puszta zu bewachen und sie beim Aufsuchen neuer Weideplätze beisammen zu halten. Die Aufzucht und Haltungsbedingungen in der Puszta waren äußerst hart. Viele Hunde kamen zeit ihres Lebens vermutlich nie unter ein Dach, geschweige denn in eine Hundehütte. Wer nicht zäh und widerstandsfähig war, den konnte die Staupe schon im Welpenalter dahin raffen.

Von der Arbeit des ungarischen Pulis in seiner Heimat berichtet D.W. Mut, der Begründer des ersten "Ungaren-Klubs" in Deutschland, Folgendes:

"Wir fragten den Hirten, ob der kleine Kerl bei der Herde auch etwas zu leisten verstehe. 'Ich werde Ihnen zeigen', antwortete der Hirte, 'gerade der Kleinste ist meine rechte Hand, er bewacht die Herde in der Nacht, während ich schlafe, bewacht er mir aber auch meine Hirten. Wenn ich ihm morgens sage, hole mir die Herde, so läuft er, holt Hirt und Herde zur Tränke.' Er rief den kleinen Vigano heran, zeigte mit dem Stock zur Tränke und sagte: 'Hole mir die Herde!' Wie ein Pfeil flog der Puli über die Weide, wo sich die Herden befanden. Schon nach kurzer Zeit hörten wir das Geläut der Glocken, und bald darauf kam die Herde zur Tränke.... Der Rechnungsträger behauptete, dass alle seine Pulis wenigstens soviel Verstand hätten wie seine Hirtenjungen, dass sie aber weit gehorsamer seien. An anderer Stelle hatten die Pulis Schafe, die in das Schilf eines Morastes hineingegangen waren, herausgeholt. Auf den Ruf des Rechnungsführers, 'Reinige dich!', lief er sofort ins Wasser, schüttelte sich danach, wälzte sich im Gras und kam als sauberer Puli zurück."

(zitiert nach Hans Räber: Enzyklopädie der Rassehunde)

Erscheinungsbild

Der Puli zeichnet sich vor allem durch sein extravagantes Erscheinungsbild aus, denn er besitzt ein außergewöhnliches Haarkleid: das Zotthaar. Diese Behaarung des Pulis, die an Dreadlocks erinnert, bildet sich innerhalb von ein bis zwei Jahren, nachdem das an Persianer erinnernde Welpenfell abgelegt worden ist. Es verfilzt die feine Unterwolle mit dem gröberen Deckhaar und mit unterstützender Pflege bilden sich schließlich feste Schnüre und Bänder. Dieses Haarkleid hat den arbeitenden Hütehund über Jahrhunderte vor Kälte und ernsthaften Verletzungen durch angreifende Raubtiere geschützt. Sobald das Zotthaar fertig ausgebildet ist, findet kein Haarwechsel mehr statt, weshalb der Puli auch für Allergiker besonders geeignet ist (unsere Züchter beraten Sie dazu gerne).

Das Erscheinungsbild des Pulis wird neben seinem ungewöhnlichen Haarkleid durch seine Quadratur und seine schneckenförmig über den Rücken aufgerollte Rute bestimmt. Mit 36 bis 45 cm Widerristhöhe zählt er zu den kleinen bis mittelgroßen Hüte- und Treibhunden.

Das Gesicht des Pulis ist geprägt durch die V- förmigen Hängeohren, seine von Schnürbehaarung bedeckten, dunkelbraunen Augen und seine dunkle Nase.

Pulis kommen heutzutage hauptsächlich in der Farbe schwarz vor. Im Puli Deutschland e.V. züchten wir neben den schwarzen Pulis aber auch gezielt Pulis in den selteneren Farben weiß, maskenfalb und anderen ungarischen Farbschlägen.

Schwarzer Puli - Foto: Regina Müllerweißer PuliMaskenfalber Puli - Foto: Siegfried Hollmann

Wesen

Der Puli besitzt zahlreiche wertvolle Eigenschaften. Neben seiner unermüdlichen Leistungs- und Einsatzbereitschaft, seiner Lebensfrische, Anpassungsfähigkeit, großer Treue und Wachsamkeit, machen ihn auch höchste Gelehrigkeit zu einem idealen Begleiter des Menschen.

Dieses Wesen macht den Puli neben seinem extravaganten Erscheinungsbild einfach einzigartig. Der Puli ist seinen Menschen ein treuer und anhänglicher Begleiter. Er ist fröhlich, klug, höchst gelehrig und wachsam. Er betätigt sich gerne im Breitensport, als Therapiehund und auch bei der Hütearbeit. Er ist jedoch auch mit einem Leben als geliebtes Familienmitglied und täglichen, abwechslungsreichen Spaziergängen einverstanden.

Als ursprünglich selbstständiger Arbeitshund weist der Puli einen weiteren Wesenszug auf: er verhält sich Fremden gegenüber oft misstrauisch. Diese Eigenschaft ist für einen Hütehund vollkommen normal. Gerade auch weil Pulis so "süß" und "kuschelig" aussehen, fühlen sich Fremde oft dazu verlockt, sich dem Hund spontan zu nähern, um ihn zu streicheln. Der Puli aber verhält sich abwartend und misstrauisch, was für einen Nichtkenner der Rasse überraschend erscheinen mag. Das grundsätzliche Misstrauen der Rasse hat in der Regel aber nichts mit einer Sozialphobie ihres Besitzers oder mit gravierenden Erziehungsfehlern zu tun, sondern ist in ihrem Wesen verankert. Durch ein wenig Training und Erziehung des Welpen kann der Puli aber zu einem sehr geselligen Begleiter ausgebildet werden.

Erziehung

Die Erziehung des Pulis ist, wie die eines jeden Hundes, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Er benötigt von Welpenbeinen an liebevolle Konsequenz im Erziehungsverhalten seines Menschen, denn er versteht es, mit Witz und Charme jede Nachlässigkeit in der Erziehung für sich zu nutzen. Die Anforderungen an sein Verhalten sind zwar dem Alter anzupassen, aber auch ihre Durchsetzung sollten Sie genau im Auge behalten, sonst wickelt Sie der Puli um die kleine Zehe seiner Pfote. Wir empfehlen begleitend zum Training zu Hause den Besuch einer Welpenschule. Für weitere Informationen steht Ihnen unsere Ausbildungsreferentin Anette Maurer mit Rat und Tat zur Seite.

Rassestandard

Dem ungarischen Kynologen Emil Raitsits ist es 1924 gelungen, diese einzigartige Rasse mit ihrem Rassestand bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI) unter der Standardnummer 55 zur gezielten Zucht einzutragen.

Weblinks

Rassestandard der Fédération Cynologique Internationale (FCI) als Worddokument